Tipi-Bau
Aufbau eines „Weidenrutentipis“
Während meines Urlaubs wurde ich in Michelbach im Westerwald von meinem Nachbarn völlig überrascht, als er mir sagte, wir bauen neben dem Kinderspielplatz ein Weidenrutentipi auf! Aber was zum Teufel ist ein „Tipi“ und was hat das mit dem Westerwald zu tun?Tip heißt im Englischen Spitze, oder mit einer Spitze versehen, was mir vom technischen Englisch ja bekannt war. Tip bedeutet aber auch Drinkgeld, was hier sicherlich nicht gemeint war.
Also erst einmal nachschlagen und dann kam die Erleuchtung:
Tipi, ist ein kegelförmiges Stangenzelt, meist aus Tierhäuten, das den in der Prärie lebenden nomadischen Indianerstämmen Nordamerikas als Unterkunft diente. Als Gerüst wurden lange Stangen stativartig aufgebaut; darüber spannte man Bisonhäute, Rinde, geflochtene Matten oder Stoff. Tipis waren in der Regel etwa drei Meter hoch und am Boden bis zu fünf Meter breit. Der niedrige Schlitz zum Eintreten wurde mit einer Klappe geschützt; auf dem Boden legte man Tierfelle zum Schutz gegen die Kälte aus. Die Spitze, aus der die Zeltstangen herausragten, war offen und häufig nach unten umgeschlagen, so dass sie eine Art Schornstein bildete. Durch ihn konnte der Rauch von dem Feuer, das meist im Inneren des Zeltes brannte, abziehen. Die Außenseiten der Tipis wurden häufig mit Mustern verziert. Das Tipi, das mit Holzpflöcken im Boden befestigt wurde, konnte ohne großen Aufwand abgebaut, transportiert und wieder aufgebaut werden, so dass es sich besonders für nomadisch lebende Stämme wie die Sioux oder die Schwarzfuß-Indianer eignete.
Da hätten wir also das Bild von einem „Tipi“, auch wenn es nicht meine Aufnahme ist.
Wie kam man denn auf so eine Idee? Ich wurde aufgeklärt, denn das Dorf hatte beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ den 3. Preis im Bezirk gewonnen. In drei Tagen war eine neue Begehung angesagt und es ging um den Landespreis. Daher also die Aktivitäten!
Ich habe nicht schlecht gestaunt, denn jung und alt arbeitete zusammen, um neben dem Kinderspielplatz das Tipi zu errichten Ich habe auch mit gearbeitet, in dem ich Aufnahmen gemacht und mitgeholfen habe den Kasten Bier abzuarbeiten.
Hier scheint allerdings eine schöpferische Pause eingetreten zu sein. Die braucht man allerdings auch manchmal, denn so ein Werk muß ja auch bewundert werden. Die vorherige Beschreibung des Tipi scheint ja zu stimmen, denn die Spitze ist schon erkennbar.
Die auf dem obigem Bild sichtbaren Weidenruten hatte mein Nachbar Udo geschnitten und für einige Zeit in den Mühlengraben gestellt, damit neue Wurzeln wachsen konnten. Die Wurzeln kann man auf dem nebenstehendem Bild gut erkennen. In der Zwischenzeit hatte ich die Möglichkeit, doch noch eine Aufnahme von den Weidenruten im Mühlengraben zu machen, da man den Rest wieder zwischenlagern mußte. Und das sah so aus:
Da sind die Heimkehrer wieder, denn sie lagen schon bereit eingesetzt zu werden. Die Frage ist nur, wo sie sich wohler fühlen, hier gebündelt, oder auf dem Spielplatz?
Weiden lieben Wasser und wachsen deshalb an Bächen. Dies wußte man hier auch und hat das Tipi in der Nähe eines ständig wasserführenden Grabens errichtet. Mit Hilfe eines Rundstabes, der einmal dazu diente Schafe und Ziegen festzubinden, wurde dann noch einmal vertieft um besser an das Wasser zu kommen. Die Wurzeln an der zu pflanzenden Weidenrute sind auch hier erkennbar.
Um die Weidenruten und das Tipi ist mir nicht bange, denn in kurzer Zeit wird alles noch grüner sein. Hoffentlich findet sich dann jemand, der die frischen Triebe beschneidet!
Alles was sich bewegt wird eingesetzt. Selbst unser Bürgermeister Helmut Sander arbeitete fleißig mit und hat die kleinen Äste abgeschnitten. Daß er die Astschere dabei falsch herum hält, hat seinem Arbeitseifer keinen Abbruch getan.
Udo flechtet und bekommt von hinten Anweisungen ohne es allerdings zu merken. Bei den Fußballern soll das allerdings auch nicht anders sein, auch wenn der Trainer noch so laut schreit, oder mit den Armen herumfuchtelt. Zurück zum Flechten, denn hier werden wesentlich dünnere Weidenruten eingesetzt, die aber auch Wurzeln haben und anwachsen.
Der wasserführende Graben im Hintergrund ist gut zu erkennen und der Eimer im Vordergrund auch. Man hatte eben an Alles gedacht, denn die frisch gesteckten Weidenruten mußten nicht nur bewässert werden, sondern die zurückgeschaufelte Erde konnte so besser eingeschwemmt werden.
Ein Blick auf den Kinderspielplatz, bei dem vor einiger Zeit die alten Spielgeräte gegen kindersichere ausgetauscht wurden. Die Kinder haben allerdings bei der Entscheidung, welche Spielgeräte gekauft wurden mitgewirkt, was ich besonders gut finde.
Die andere Seite des Spielplatzes mit dem Tipi im Hintergrund. Großmutter Hilde hatte ihr Enkelkind auf die Schaukel gesetzt und warf einen fachmännischen Blick auf das Werk.
Dann gab es für sie kein Halten mehr und hat erst einmal den Männern gezeigt, wo es langgeht. Warum auch nicht, denn sie war schon immer tatkräftig und einsatzfreudig. Nur das Enkelkind, das von der Schaukel wollte konnte sie stoppen.
Unser Bürgermeister hatte den Überblick über das Ganze. Die linke Hand konnte er beruhigt in der Tasche behalten, denn die Rechte reichte zum Zeigen aus. Die Kiste Bier hat er zwar aus den Augen verloren, aber nicht aus den Ohren, die man ja auch zur Bewachung einsetzen kann.
Und schon werden die Grassoden eingesetzt, so das man langsam zum Abschluß kam, zumindest an diesem Tag. Auch hier war Helmut wieder voll im Einsatz. Wenn man nur den Überblick behalten will, wird einem auch kalt, und dann ist es besser zu arbeiten.
Sieht doch schon recht nett aus, auch wenn es noch nicht fertig ist.
Es ist wirklich schön, wenn Menschen heute noch bereit sind für die Gemeinschaft zu arbeiten. Leider sind es immer dieselben.
Herzlichen Dank an Wilhelm Baum (†) für das Verfassen des Textes und der zur Verfügung gestellten Bilder.